COLORS

Kunsthaus
Essen
2011

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Neuerdings stößt der Passant beim Gang durch die Zechensiedlung Gottfried-Wilhelm auf eine Ansammlung von Satellitenspiegeln auf dem Uhrturm des Kunsthauses. Erst einmal nichts sonderlich Ungewöhnliches in einem Arbeiter-Viertel mit vielen zugezogenen Gastarbeitern. Doch zwei Umstände irritieren und nehmen den Betrachter gefangen. Zuerst fällt die ungewöhnliche Lackierung der ‚Schüsseln’ auf, die an bekannte Nationalflaggen erinnert. Beim zweiten Blick stört, dass die Farbcodes der einzelnen Nati-onalitäten durcheinander geraten sind. ‚Zufall oder Plan?’ fragt sich der Betrachter. So erscheint etwa die türkische Flagge, eindeutig erkennbar an Halbmond und Stern, in den deutschen Farben Schwarz, Rot und Gold, die israelische Flagge wiederum in den Farben des palästinensischen Staates und die chinesische Fahne zeigt sich in der Farbpalette Taiwans.

 

Über Satelliten halten ausländische Mitbürger Kontakt zu dem Kulturkreis in dem er aufgewachsen ist und von dem er geprägt wurde. Der Heimatsender ist die Nabelschnur, die er nie durchschneidet. Parabolspiegel zum Empfang von Fernsehprogrammen aus aller Welt an den Balkonen und auf den Dächern in Wohnvierteln mit hohem Ausländeranteil legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Der Gast im eigenen Land ist aber selbst ein Sender seiner Kultur und die Menschen des Gastlandes die Empfänger. Das gilt umgekehrt ebenso für den Tourist im Urlaubsland.

 

COLORS ist zunächst ein Bild dafür, dass wir alle Sender und Empfänger verschiedener Kulturen sind, egal ob wir zu Hause leben oder in der Fremde unterwegs sind. Der bunte Strauss von Schüsseln auf dem Dach zeigt, dass die Vielfalt zuvorderst ein großer zivilisatorischer Reichtum ist - auch wenn sich die kulturellen, religiösen, politischen und ökonomische Systeme im Prozess der gegenseitigen Durchdringung im täglichen Leben aneinander reiben. Jenseits des viel dikutierten und lokal nur streckenweise geglückten Multi-Kulti lenkt COLORS mit der anarchisch-subversiven Strategie der Flaggen-Kreuzung den Fokus auf eine globale gesellschaftspolitische Ebene: Ist der Nationalstaat, wie er im 19. Jahrhundert begründet wurde, noch das Modell der Zukunft? In einer globalisierten Welt kann es homogene Staatsgebilde nicht mehr geben. Wie viele militärische Konflikte in Vergangenheit und Gegenwart zeigen, war dieses schon immer ein zweifelhaftes Ideal, das es in der Realität sowieso nie gegeben hat.

 

TECHNIK

 

12 modifizierte Parabolspiegel

Durchmesser 60cm/80cm/100cm

Lackierung und Klebefolien

Beleuchtung LED-Modulen/Schwellern

Zyklen von 5 bis 100 Sekunden